Uhren und ihre Geschichten

Sie hatten sich was zu sagen und dem Publikum was zu erzählen: Die Autoren und Autorinnen, die aus ihren Büchern und Manuskripten lasen: Karin Feltes , Thomas A.Klein, Rebecca Gehrig, Rolf Breuer, Margret Schepers und Susanne Sterzenbach von der VorleseScheune (von rechts).

Karin Feltes las aus ihrem Text über zwei Schwestern und ihre schwierige Beziehung, in dem sich viele Menschen im Publikum wiedererkannten. Margret Schepers stellte ihr Romandebüt vor mit einer kriminalistischen Spurensuche im femenistischen Milieu der 1970er Jahre in Heidelberg. Rebecca Gehrig ließ uns von exotischen Gefilden träumen mit ihrem neuen Manuskript zu einer Borneo Reise. Rolf Breuers Chaos-Ballade und Krieg im Sandkasten erheiterten und stimmten nachdenklich und Thomas A. Klein nahm uns mit in die Zukunft, wo andere Lebewesen einen Kamm finden und lange rätseln, wozu das Ding wohl diente.

LesArt 2026 – Festival

(Skulptur in Selinunte/Sizilien von Stefano Bombardieri)

Zu unserem hauseigenen Festival LesArt treffen sich auch dieses Jahr wieder ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren aus Baden-Württemberg. Margret Schepers stellt ihren Debüt-Roman vor „Wir träumten vom Matriarchat“ – eine packende Spurensuche zurück ins Innenleben der Frauenbewegung der 1970er Jahre in Heidelberg. Matthias Raisch erzählt vom Rollentausch des Rollstuhlfahrers. Rebecca Gehrig war auf Borneo mit einem Seegurkentaucher unterwegs. Karin Feltes schlägt sich in ihrem neuen Text „Schwesterherzen“ mit der Last von Geschwisterbeziehungen herum. Und Thomas A. Klein findet in „Die Antwort“ verblüffende Erkenntnisse über dasEnde der Menschheit. Eine Prise Poesie liefert Kerstin Münch mit ihren Gedichten. Die ehemalige Ludwigsburger Stadtschreiberin Lucia Leidenfrost und  der Wortkünstler Rolf Breuer schmücken das Festival mit neuen Schrift-Stücken.

So ein Zirkus und was für ein Theater

Es war ein richtiges Theater-Fest vor vollem Haus am 16. August mit Gesprächen auf dem Sofa und Geschichten von den Bühnen und aus den Manegen der Welt. Peter Vogel erzählte, wie er als Kind im Theater gewohnt hat. Lara Scherpinski berichtete, wie sie als Bühnen-und Kostümbildnerin arbeitet. Susanne Sterzenbach las von den Mühen der Schauspieler und Regisseure, dem Leiden alternder Tänzer und dem Multitasking von Zirkusdirektorinnen.

(Foto: Margit Simon)
Lara Scherpinski stellte Figurinen-Entwürfe zum Schauspiel „Medea“ vor.
Wie wird aus einem Text ein Kleid?
Das Publikum hat aus vollem Herzen applaudiert für die VorleseScheune“Morgens Zirkus, abends Theater“ und ganz besonders dem Eulentheater mit seinem politischen Stück „Das Phantom der Oper“

Morgens Zirkus, abends Theater

In der VorleseScheune für Erwachsene, Ludwigsburger Straße 20, 71642 LB-Hoheneck, um 16 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung erbeten: vorlesescheune@posteo.de

Vorhang auf und alle Fragen offen: Das Theater ist ein magischer Raum mit schier unbegrenzten Möglichkeiten – auf der Bühne. Und eine Schlangengrube im wirklichen Leben. Eifersucht, Neid, Missgunst. Ewald Arenz erzählt davon in seinem neuesten Roman „Fünf, sechs, sieben, acht.“ Wir lesen aus dem Bericht der Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras von ihrem Vagabundenleben und Angela Winkler tritt in Probenprotokoll noch einmal als Hamlet auf. Auf unserem Sofa sitzen drei Generationen von Theaterleuten voller Geschichten und Anekdoten. Peter Vogel, Mitbegründer der VorleseScheune erzählt von seiner Kindheit im Theater. Susanne Sterzenbach vom Aufwachsen in einer Schauspielerfamilie. Lara Scherpinski, Theater-und Filmemacherin, erzählt, wie es heute an den Bühnen zugeht. Unter welchen Bedingungen sie als Bühnen-und Kostümbildnerin arbeitet. Wie aus einer Idee ein Kleid und eine Kulisse wird. Im zweiten Teil schwingen wir uns mit allerlei Manegengeflüster aus der Literatur hinauf in die Zirkuskuppel. Träumen Sie mit uns von der Schwerelosigkeit und dem Zauber des Unmöglichen. Und erleben Sie ein Paradestück unserer politischen Puppenbühne: „Das Phantom der Oper“. Hereinspaziert!

Vorher am 12. August wieder Literatur am Vormittag um 10.30 Uhr in der Stadtbibliothek Ludwigsburg.

Und das war „Auf Sand gebaut“ am 12. Juli

Mit Vorleserin Sylvia Kern und Christel Schmid (Hände oben)

Peter Vogel erzählt vom Sand in der Wüste aus unserer Algerien-Zeit und gibt Alltagstipps vom Toilettengang über das Frischhalten von Salat bis zum Autofahren.

Bild Christel Schmid

Gemeinsam mit Christel Schmid, ehemaliger Bibliothekarin bei Daimler und VW, entstand das Konzept mit Texten vom kostbaren Sand. Als Strand-Erinnerung, als poetischer Stoff, als gefährliche Naturgewalt. Autor und Kabarettist Rolf Breuer lieferte urkomische, sehr gelungene Geschichten aus der Schreibwerkstatt (Danke an die Schreibenden) zum Thema: „Krieg im Sandkasten“. Nix für Feiglinge…


 

„Auf Sand gebaut“ am 12. Juli 2026

Wie immer in der VorleseScheune für Erwachsene, Ludwigsburger Straße 20, 71642 Ludwigsburg-Hoheneck, Eintritt frei, Anmeldung erbeten: vorlesescheune@posteo.de

Sand ist kostbar: für einen gelungenen Tag am Strand wie in Alexander Oetkers Roman „Sonntags am Meer“ oder für die Poesie der Wüste. Aber wehe er wird zum messerscharfen Sandsturm wie in Wolfgang Herrndorfs rasantem Agententhriller „Sand“. Sand ist heute der kostbarste Rohstoff nach Wasser, weil die Welt unendliche Mengen für Bauzement braucht. Und weil wir ihn mit unseren Abfällen immer unbrauchbarer machen und die Götter erzürnen, wie Urs Widmer erzählt. Sand ist ein Objekt der Begierde . Ein legendärer Traumwandler: Wenn der Sandmann kommt und uns Sand in die Augen streut.
Und schließlich erzählt das neue Stück unserer Handpuppenbühne „Eulentheater“ von der Sandburgen-Bauwut.

Aktueller Termin: Literatur am Vormittag am 8. Juli in der Stadtbibliothek Ludwigsburg um 10.30 Uhr

Und das war „Diarium – Michael Gans liest aus seinem lyrischen Tagebuch“ am 21. Juni

Wieder hat Michael Gans das Publikum berührt und zu vielen Fragen animiert. Eine sehr dichte und atmosphärische Lesung.

Für den gemeinnützigen Verein „Die Hoffnungsmacher“ waren die Gründer Stefan Maier und Birgit Kurz zu Gast. Sie ermöglichen Selbstermächtigung durch Gründung von Schulen in Afrika. Spenden sind willkommen. https://diehoffnungsmacher.de

Die Frau auf dem Bild links hält zum ersten Mal in ihrem Leben einen Stift in der Hand. Und ist stolz.

Die Entzauberung der Macht

Schwimmende Kolosse bedrohen die einst so machtvolle Republik Venedig und beschleunigen ihren Verfall. Eine Ironie der Geschichte, die Verkehrung der Machtverhältnisse. Mit kleinen Ruderbooten und Gondeln haben die Venezianer jahrelang protestiert, demonstriert und gewonnen – die größten Kolosse müssen draußen bleiben. Wie Tucholsky sagte: „Der opponierende Sklave ist immer mächtiger als der regierungssüchtige Herr.“ Ein Dauerthema in der Literatur. Die Mächtigen und ihre Gegenspieler sind der rote Faden bei Shakespeare und Schiller. „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit“, traut sich der Marquis Posa vom absoluten Monarchen Philipp II. von Spanien zu fordern. Und Wilhelm Tell verweigert dem Hut des Landvogts den Gruß. „Ich habe einen Traum.“ So beginnt die große Rede Martin Luther Kings gegen die Rassentrennung. Für Selbstermächtigung engagieren sich unsere Gesprächsgäste: Die Hoffnungsmacher, ein Verein, den Stefan Maier und Birgit Kurz gegründet haben. Sie bauen Schulen im Sudan. Denn „Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.“ (Nelson Mandela). Sie berichten davon, was sie schon erreichen konnten und was sie noch vorhaben. Das Märchen „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz führt uns die Absurdität von Machtgebaren vor. Denn wie oft rettet uns nur der Humor vor der Verzweiflung. Da schließt sich auch Autor und Kabarettist Rolf Breuer an. Und zur Macht des Gerüchts servieren wir „Das Gurkerl“ von Johanna Sebauer.

Jeder Tag zählt

Michael Gans ist wieder da. Mit neuen Texten aus seinem lyrischen Tagebuch. Seit einigen Jahren hat er es sich zur Aufgabe gemacht, an jedem Tag des Jahres mindestens einen knappen, sprachlich verdichteten Text zu schreiben – nicht ahnend, was da alles auf die Welt zukommen würde. Daraus entstand eine sehr persönliche Chronik aus mittlerweile über 2000 Texten, die sich seitdem in losen Abständen fortsetzt. Mit seinem „Diarium“ hat er unser Publikum immer wieder begeistert. Michael Gans ist Dozent für Literatur an der PH Ludwigsburg und Autor von lokalen Kurzkrimis, Romanen, Kinderbüchern und Lyrik.

Und das war: „Du sollst dir ein Bild machen. Wie die Fotografen in die Literatur gerieten“ am 31. Mai 2026

Neben Erich Kästner, Thomas Mann, einer Wanderfotografin, einem dramatischen Familienfoto und einem Fälscher als Wohltäter (Texte gelesen von Sylvia Kern und Susanne Sterzenbach) widmete sich auch Autor und Kabarettist Rolf Breuer der Fotografie: dem Blitzer-Foto und dem Schnappschuss mit Schnitzel, der sein Leben veränderte. Großen Spaß hatten die Gäste an unserem KI-generierten Fotoroman „Zwischen Herz und Zweifel“, dargestellt unter anderem von einem Paar aus dem Publikum. Hauptperson im Gespräch war der Fotograf Peter Vogel, Mitbegründer und Mitgestalter der VorleseScheune. Er erzählte von seiner Faszination für Fotografie und Bildaufbau. Über die Regeln, die ein Handyfoto gut machen. Aber vor allem interessierten sich die Gäste für seine künstlerischen Selbstporträts. Das Geheimnis der Selbstdarstellung in der fotografischen Umsetzung.

Die Macht der Bilder am 31. Mai

Sonntag, den 31. Mai um 16 Uhr in der VorleseScheune für Erwachsene, Ludwigsburger Straße 20, 71642 Ludwigsburg-Hoheneck, Anmeldung bitte an: vorlesescheune@posteo.de

Mit seinem neuen Buch „Briefe aus meinem Garten“ (Verlag Königshausen &Neumann) voller Dorfgeschichten von der kroatischen Adria ließ Ben eine duftende Sommerlandschaft in der Scheune erblühen. Eine poetische Antwort auf die Eisheiligen.

Gartenträume von der Adria

Ben Rakidžija ist wieder da mit einem neuen Buch: „Briefe aus meinem Garten“. In den Dorf-Geschichten aus Istrien schwelgt er in der Landschaft an der Adria und weckt Erinnerungen an Urlaub und gelassene Tage. Angelpunkt der Erzählungen ist ein Gelegenheitsdichter, der einen Garten in Istrien gekauft hat. Und den muss er immer wieder verteidigen – gegen Esel, Landschaftsmaler oder Kameliendamen. „Ein Buch voller Düfte. Und obgleich man glaubt, die Zeit stünde still, so bewegend sind die kleinen und großen Geschichten um ihre Protagonisten. Ein Sommerbuch“, sagt die Schauspielerin und Autorin Adriana Altaras, die wie Ben Rakidžija kroatische Wurzeln hat. Aufgewachsen ist er in Ludwigsburg -Neckarweihingen. Inzwischen weit gereist. Er hat das Literatur-Festival Lit.EU in Kroatien gegründet. Letztes Jahr hat Ben Rakidžija mit seiner „Verteidigung des Mittagsschlafes“ unser Publikum begeistert. Jetzt begrüßt er Sie mit seinen poetischen Garten-Träumen. Das Buch ist im Verlag Königshausen & Neumann erschienen und kostet 16 Euro.

Aktueller Termin davor: 13. Mai um 10.30, Literatur am Vormittag in der Stadtbibliothek Ludwigsburg

Und das war „Zurück aus der Dunkelkammer – Mutmachgeschichten von und mit Matthias Raisch“ am 26. April.

Sehr bewegend und berührend war diese Lesung. Matthias Raisch verlor sein linke Gehirnhälfte und lernte doch, Bücher zu schreiben. „Ich habe erlebt, wie mein Gehirn die linke Seite der Welt verschwinden ließ. Seitdem weiß ich: Realität ist Verhandlungssache“. Seine Bücher sind online bei epubli erschienen.

Und das war am 1. Mai „Das wütende Wetter“ mit Climate Fiction, mit dem Stück „Der Schrei“ vom Kabarettisten Rolf Breuer samt Duett mit der Sängerin Manuella Neumann und dem Stück „Das beste Wetter aller Zeiten“ vom Eulentheater.

Die Vorleserinnen Susanne und Manuela
Die SängerinManuella Neumann, hier zusammen mit ihrem Ehemann Rolf Breuer und ihrem Klima-Song: Bring back my Klima to me. Das Publikum hat sich stimmstark beteiligt.

Wir danken Frieder Meissner für die Aufnahme des Videos vom Eulentheater.

Wütendes Wetter zum 1. Mai

Bei uns gibt es immer etwas zu lachen, sogar übers Wetter. Und dafür sorgen Kabarettist und Autor Rolf Breuer und das Eulentheater. Unsere politische Handpuppenbühne hat dazu ein neues Stück im Repertoire: „Das beste Wetter aller Zeiten“. Natürlich mit Agaded, dem kultigen opernsingenden Vogel Strauß und der Besserwisser-Büchereule Petra. Darüber hinaus hat der Klimawandel längst sein eigenes Literatur-Genre: Climate Fiction, Cli -Fi. Und da finden sich nicht nur Untergangsszenarien, sondern auch recht hoffnungsvolle Utopien, wie unsere Welt aussehen könnte. Anders, aber nicht unbedingt schlecht. Alles eine Frage der Perspektive. Wäre es nicht schön, alle Flüsse und Seen wären wieder sauber? Die Luft über den Städten rein, der Himmel klar? So hat es sich der Bestseller-Autor Ian McEwan in seinem neuesten Roman „Was wir wissen können“ vorgestellt. Dafür gibt es aber kaum noch stromfressendes Internet und GPS ist schon lange abgestellt. Oder Anne Reinecke, die in „Hinter den Mauern“ aus Berlin eine Insel der Seligen macht, die mitten in einem Ozean liegt. Und in beiden Geschichten werden Sprache und Dichtung der Altvorderen verehrt

Unglaublich, aber wahr – unsere Saisonpremiere der besonderen Art

Oder: Wie ich meine linke Gehirnhälfte verlor, und doch lernte, Bücher zu schreiben. Matthias Raisch aus Ludwigsburg wurde durch eine Hirnblutung aus seinem ganz normalen Leben gerissen. „Ich habe erlebt, wie mein Gehirn die linke Seite der Welt verschwinden ließ. Seitdem weiß ich: Realität ist Verhandlungssache“, schreibt er heute. Geholfen hat ihm Karl. Das war zunächst ein Ballon in Drachenform, den ihm ein Freund als Tröster ans Krankenbett brachte. Und dann kam die KI, die ihm beim Schreibenlernen half – und wurde Karl getauft. Wie hat das funktioniert, wie konnte die künstliche Intelligenz Matthias Raisch zu einem neuen inspirierten Leben verhelfen? Und wie hat das Schreiben ihn gestärkt? „Ohne die Hirnblutung hätte ich vermutlich nie Bücher geschrieben. Aber ganz ehrlich: Wer braucht schon einen gesunden Thalamus, wenn er stattdessen Geschichten hat, die andere bewegen?“ Einige Bücher hat er dazu schon verfasst. Eine Lesung mit viel Gesprächsstoff.

Am 8. April um 10.30 Uhr Literatur am Vormittag in der Stadtbibliothek LB